Donnerstag, 13. Oktober 2011

zwischen Flowerpower und verspaeteter Emanzipation ...

ja das war eine Fete gestern Abend, wir mussten mit unseren Stirnlampen zum Hotel gehen, weil schon alles dunkel war. Oder besser gesagt die einen konnten nicht mehr gehen, die habe wir gleich auf Rikscha's verladen und abtransportiert.Es ist nicht so empfehlenswert, mit dem hoehensuechtigen Blut zuviel Alkohol zu trinken und schon gar nicht nach 6 Wochen Abstinenz. Aber auf jedenfall haben's alle ueberlebt, so wie ich heute Morgen gesehen habe, die einen besser die andern sahen immer noch ein wenig bleich aus.
Es ist hier in Pokhara schon ein komisches Volk unterwegs, und wir hatten einige schoene Episoden erlebt in den letzten zwei Tagen.   Dazu muss ich die statistische und auch gefuehlte Zusammensetzung der Touristenstroeme kurz erlaeutern. Am mit Abstand am meisten vertreten sind die Isaraelis mit ca 40 % , danach fogend mit ca. 10% die Franzosen, mit weiteren 10% Spanier und nochmals mit 10% die Deutschen,dann mit knapp 10% der "Ostblock" (Tschechen,Polen,Russen,Slowaken ...) und die restliche Welt teilt sich die letzten 20%.  Jetzt was passiert, wenn man alleine in eine Bar oder ein Cafe geht und diese "speziellen Gruppen" anspricht, was man ja gerne mal machen wuerde nach 5 Wochen alleine auf dem Gletscher.  Also das erst Problem taucht schon beim "abtasten" auf, in dem man eine gemeinsame Sprache sucht, was man in den meisten Faellen (ca 80%) mit Englisch findet, die restlichen 20 % kann man ja eh gleich abhacken und zurueck in die Einsamkeit gehen.  :-)    Aber dann wenn die englische Worte am ruebersprudeln sind erlebt man schon die unterschiedlichsten Reaktioenen. So z.B. beim "Ostblock" , die beginnen nach 1 Minute dich auszufragen, wo der kuerzeste Weg ist zu den verschiedensten Orten und verweisen auf eine Karte, welche 20zig Jahre alt ist und ausser Kathmandu nichts eingezeichnet ist. Die Franzosen (meistens alleine oder zu zweit unterwegs) reden nur das noetigste, ausser man legt in der "Galliersprache" los (aber die Frauen stehen sowieso eher auf die verfiltzten mit Tatoos verzierten Aussteigertypen)! Die Israelis ignorieren dich einfach und wenn endlich mal jemand auf eine Frage antwortet (meistens die Frauen) schauen sie danach ganz veraengstigt den "Begleittypen" der dabei sitzt an. Bei den Spaniern ist es ganz lustig, vor allem wenn man  mit Bergsteigen anfaengt, dann sprudeln einem nur noch Fragezeichen entgegen, nur leider koennen die meisten auch kein verstaendliches Englisch. Und zu guter letzt noch die Deutschen, wobei ich dazu noch einige Zusatzangaben machen muss. Wie sehen die aus und wie ist die deutsche Zusammensetzung??Zuerst mal, fast niemand aus dem "ehemaligen Osten", die meisten weiblich, aus dem letzten Jahrhundert (aeh sorry, wollte sagen in meinem Alter :-))  , meistens zu zweit oder zu dritt und immer irgenwie im "Flowerpower Look". Wenn man ihnen zuhoert erfaehrt man wieviele Kinder sie haben, wieviel mal geschieden sie sind und wie schoen es doch waere unabhaengig und frei zu sein im Urlaub.  Dann macht der von sprachlicher Einsamkeit gebeutelte Bergsteiger den entscheidenen Fehler, denn schliesslich muss er zum ersten mal seit Wochen nicht Nepali oder Englisch sprechen. Was glaubt ihr was dann passiert?  Es trifft dich ein strafender Blick mit dem verbalenen Hinweis, ob du denn beim vorherigen aufdringlichen Zuhoeren die Worte 'unabhaengig und frei' nicht mitbekommen haettest? Nach eine kurzen Zusammenzucken und einem Schritt zurueck (man weiss ja nie vielleicht reissen sie noch einen Pfefferspray aus der Tasche) und einer Entschuldigungsgeste ziehen ich mich wieder auf den Gletscher in mein Zelt zurueck :-(   Es ist eben doch nicht alles einfacher, wenn man glaubt die gleiche Sprache zu sprechen, aber mindestens weiss ich jetzt wie sich die streunenden Hunde auf der Strasse fuehlen muessen, wenn sie getreten und verscheucht werden (da haben es die Kuehe besser hier)  :-((
Und noch etwas faellt jeden aufmerksamen Beobachter auf, es gibt mehr Internetcafe's und WiFi Netzwerke als normale Leute. Oder macht etwa diese Angabe an jedem kleinen & grossen Hotel Sinn :  Bett und Zimmer mit Breitband WiFi (ist die Standardaussage fuer Zimmer hier).  Aber das macht sicher Sinn, naemlich speziell dann, wenn die oben beschriebenen unabhaengigen und freien "Flowerpower Weiber" jeden Abend via Skype zu Hause erzaehlen muessen wie schoen es doch hier ist :-))))

Aber alles halb so wild, habe ja bekanntlich eine Dicke Haut und in der Kaelte sind zumindest an einigen Orten die Gefuehlsnerven sowieso "abgefroren"!   Nun bin ich seit 4 Stunden in Kathmandu und erledige den ausstehenden Papierkram und versuche fieberhaft noch etwas abenteuerliches oder zumindest etwas unterhaltsames zu finden, schliesslich kann niemand von mir verlangen es hier noch 8 Tage auszuhalten (unser Material wird erst am 17. hier erwartet).

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